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Vorwort

 

Wir sind hier unter uns. Wir wissen alle, was es bedeutet, ein

Tier zu lieben. Wie sehr es unser Leben bereichert – und was es heißt, mit seinem Tod fertig zu werden. Leider hat alles seinen Preis. Auch das, was sich anfühlt wie ein Geschenk.

 

Hätte ich mir ein Buch über Trauer gekauft, als mein Tier

noch lebte? Sicher nicht – ich war gut darin, dieses Thema zu verdrängen. Vielleicht musst du dich jetzt mit dem Loslassen beschäftigen. Was heißt beschäftigen? Du kannst kaum an etwas anderes denken: Dein Tier wird nicht mehr lange bei dir sein, oder es ist bereits gestorben.

 

Mein Verlust liegt jetzt ein Jahr zurück. Es gab viele Tränen.

Und es gab genauso viele Fragen: Wieso habe ich dieses Wesen

so geliebt? Warum tut es so weh? Wie geht es weiter, wenn dieser wichtige Teil in meinem Leben plötzlich fehlt? Ich suchte nach Erklärungen. Nach Möglichkeiten, die Trauer im Zaum zu halten, indem ich sie verstehe. 

 

Schmerzen zu empfinden, ist das eine. Zu begreifen, dass es an

der Glasscherbe liegt, auf die du getreten bist, das andere. Diese Einsicht macht den Unterschied. Alles, was du fühlst, ist richtig

und real. Natürlich blutet diese Wunde. Natürlich schmerzt sie

bei jedem Schritt. Und natürlich wird es dauern, bis du wieder barfuß läufst.

 

Über die Monate fand ich mehr und mehr Antworten. Doch

ich wollte noch warten. Meine Gefühle sollten frisch, aber nicht

roh sein. Kurz nach dem ersten Jahrestag fing ich an zu schreiben.

Die Seiten füllten sich wie von selbst. Ich legte die Finger nur über die Tastatur, und mein inneres Tonband begann zu diktieren.

 

Wenn ein Buch von Abschied und Tod handelt, fassen es viele

erst mit der Kneifzange an. Sie befürchten, dass Wunden wieder aufreißen, statt sich zu schließen. Keine Sorge: Ich drücke weder auf die Tränendrüse, noch überfalle ich dich mit schockierenden Bildern. Und es ist auch kein Tagebuch. Meine Erlebnisse fließen nur ein, wenn sie passen. Hier geht es um dich und deine Fragen – denn mitfühlende und besonnene Antworten können am ehesten Klarheit in diesen traurigen Nebel bringen.

 

Jeder erlebt einen solchen Verlust anders. Manche sind erstaun-lich – um nicht zu sagen beneidenswert – gefasst. Sie werden sich kaum für ein Hörbuch über Trauer interessieren. Andere leiden stärker. In vielen Kapiteln erkennen sie sich wieder. Vielleicht denken sie aber auch: »Das ist mir nicht schwergefallen«, oder »darüber war ich schnell hinweg« – sehr gut, denn genau das

wird sie trösten.

 

Einigen macht der Tod ihres Tieres richtig zu schaffen. Zu diesen Menschen zähle ich mich selbst. Weil sie glauben, niemand kann nachfühlen, was sie durchmachen, trauern sie still. In mir wuchs der Wunsch, Worte zu finden für etwas, das viele empfinden,

aber kaum jemand ausspricht. Jeder weint im stillen Kämmerlein.

Dabei tut es gut zu wissen, dass auch im Dachgeschoss jemand

Rotz und Wasser heult. Denn sich verstanden und nicht allein

zu fühlen, ist in dieser Zeit oft das Wichtigste. 

 

Vielleicht gibt es sogar ein paar Leser, die zu Hause von einem

kern-gesunden Tier begrüßt werden. Ein Abschied liegt zum

Glück in weiter Ferne. Trotzdem bedrückt sie die Vorstellung,

ihren Liebling eines Tages zu verlieren. Sie möchten wissen, was

sie erwartet und wie sie dem begegnen können. Ich bewundere jeden, der den Mut hat, den Tatsa-chen früh in die Augen zu sehen. Eines Tages wird es leider passieren – doch du kannst

es meistern, aushalten und überwinden. 

 

Lies das Buch von vorn nach hinten abspielen oder springe zu

den Themen, die für dich im Moment am wichtigsten sind.

Die Kapitel sind in sich abgeschlossen. Sie gliedern sich in drei Teile. Davor – wenn du besser verstehen möchtest, warum die

Liebe zu deinem Tier so tief geht und was eure Verbindung ganz besonders macht. Dabei – wenn es stirbt, eine sehr belastende Phase mit widersprüchlichen Gefühlen. Dieser Abschnitt will

dir helfen, das Chaos zu ordnen und gute Entscheidungen zu treffen. Danach – wenn du mit dem Tod deines Tieres leben musst. Wie du den ersten Schock überwindest, und was du tun kannst, wenn dich die Trauer fest im Griff hat.

 

Bei mir war es ein Pferd. Bei dir ist es eine Katze, ein Hund oder

ein anderes Tier. Wir lieben unterschiedliche Wesen, aber die Trauer um sie ist stets Ausdruck derselben tiefen Bindung. Hier sind immer alle Tiere gemeint. Jedes ist unschuldig und liebens-wert. Es enttäuscht dich nie. Es liebt dich und nimmt dich mit

in seine magische Welt. Erst wenn es stirbt, verletzt es dich ein erstes und letztes Mal mit voller Wucht – und auch das nicht

mit Absicht.

 

Ich schreibe dir als meiner Freundin, meinem Freund. Uns verbindet die Liebe zu unserem Tier. Vielleicht findest du Im-

pulse, die deinen Gedanken eine neue Richtung geben. Vielleicht gewinnst du Einsichten, die dich trösten, und Zuver-sicht, die

dir den Rücken stärkt. Ich hoffe, mein langer Brief erreicht

dich und kann dir helfen.

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